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„Es werde Kunst!“, sollte ich vielleicht ausrufen, wenn wir in rund 2 Wochen unsere Herzensveranstaltung die NKNA20, diesmal kombiniert mit der LATC2020, begehen werden. Wie ihr vermutlich schon mitbekommen habt, hat die NKNA (kurz für: Neue Konzepte für Neue Arbeit) einen transsektoralen, d.h. bereichsübergreifenden, Veranstaltungsansatz. Die Idee dabei ist, ein Fokusthema – in diesem Jahr „Old Work vs. New Work – Laßt uns endlich diese verdammte Brücke bauen“ – aus den Perspektiven von Kunst, Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zu betrachten. Warum tun wir das? Erstens, weil – und hier kann ich natürlich nur für die Kultur-Komplizen sprechen – wir Silodenken aufbrechen wollen. Zweitens, weil wir wissen, dass die verschiedenen Perspektiven helfen, Lernprozesse anzustoßen, dass also der eine Bereich vom anderen lernen kann und umgekehrt. Soweit, so trivial.

Kunst? Wozu nochmal?

Während die Bereiche Wirtschaft, Politik und Wissenschaft oft relativ leicht zusammengedacht werden können, scheint dies beim Sektor Kunst schwieriger zu sein. Wir müssen regelmäßig erklären, warum wir die Kunst als vollwertigen Bereich integrieren. Kunst bei anderen Veranstaltungen ist immer ein Add-on, ein Appetithäppchen, die Dekoration. Bei uns eben nicht und das hat mit unserem Verständnis von Kunst zu tun, das sich vollständig mit dem erweiterten Kunstbegriff und der Sozialen Plastik von Joseph Beuys erklären läßt. Das folgende Beuys-Zitat verdeutlicht unser Kunstverständnis:

„Jeder Mensch ist ein Träger von Fähigkeiten, ein sich selbst bestimmendes Wesen, der Souverän schlechthin in unserer Zeit. Er ist ein Künstler, ob er nun bei der Müllabfuhr ist, Krankenpfleger, Arzt, Ingenieur oder Landwirt. Da, wo er seine Fähigkeiten entfaltet, ist er Künstler. Ich sage nicht, daß dies bei der Malerei eher zur Kunst führt als beim Maschinenbau …“
(aus einem Spiegel-Interview mit Peter Brügge, „Die Mysterien finden am Hauptbahnhof statt“, 1984)

In diesem Sinne kann Kunst nur integraler Bestandteil einer Veranstaltung sein und sich inhaltlich mit dem Veranstaltungsthema auseinandersetzen. Ohne diese Integration verschenken wir wertvolles Potential zum Transfer. So zumindest unsere Ansicht, aber das liegt sicherlich daran, dass wir viel Freude und Spaß bei unserer Arbeit haben und uns daher mit vollem Hirn- und Körpereinsatz der Gestaltung der Veranstaltung widmen.

Kunst – im Maimarkt-Club und in der Maimarkt-Halle

Die #NKNA20 und die #LATC2020 finden in zwei getrennten Räumen – im Club und in der Halle – statt. Um diese Trennung aufzuweichen, haben wir verschiedene Kunst-„Punkte“ in beiden Räumlichkeiten geschaffen, die das Thema „Brückenbau von Old Work zu New Work“ aus verschiedenen Perspektiven betrachten – im Club ein wenig mehr als in der Halle. Der große Bogen, den wir spannen, ließe sich mit dem Begriff „Kooperation“ fassen, denn ohne Kooperation kein Brückenbau:

Keynote Kunst – Dianne Regisford

Die Keynote Kunst kennt ihr bereits – Dianne ist als Speakerin auf unseren verschiedenen Websites genannt. Ihr Titelthema „Ubuntu“ hat die Kernaussage „Ohne Dich bin ich nichts“. Hier wird die Kooperation an der Basis bereits sichtbar – im Erkennen, dass andere an meinem Ich „mitgebaut“ haben, dass ich mein Jetzt-Sein dem Tun oder Nicht-Tun von anderen verdanke, liegt einer der ersten Schritte, um in gute Kooperationen mit anderen gehen zu können. Um Euch einen ersten Eindruck zur Keynote zu liefern, hat Dianne mit unserem Partner Heiko Nowak ein Interview geführt, dessen ersten Teil ihr auf der Leanbase anhören könnt:

Interview Dianne Regisford (Teil 1)

 

Den zweiten, längeren Teil findet ihr hier:

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LeanART – Visualisierung der Brückenbauer*innen

LeanART Kunst LATC2020 NKNA 20

Sneak Preview LeanART

Irgendwie hatte ich die blöde Idee, dass dieser Brückenbau visualisiert werden sollte. Aber wie? In meinem Verständnis sind alle Speaker der LATC und der NKNA Menschen, die mitten auf den Brücken der Transformation stehen und an diesen Brücken jeden Tag ein Stückchen arbeiten – jeder auf seine eigene Art und Weise, mit eigenen Ansätzen und Perspektiven. Niemand will zurück und alle nehmen verschiedene, gute Aspekte aus der Arbeit der Vergangenheit mit in die Zukunft. Ob sie im Einzelnen kooperieren, weiß ich nicht, aber während der Veranstaltung sind sie Kooperationspartner, die gemeinsam das Programm mit Leben füllen.

Um diese Kooperation sichtbar zu machen, habe ich den Namen jedes Speakers in Buchstaben zerteilt. Jeder Buchstabe hat die Form der LATC-Wabe in verschiedener Größe und Farbe. D.h. jede Wabe steht stellvertretend für einen Buchstaben des Alphabets, die Größe ist abhängig von der Häufigkeit wie der Buchstabe in deutschen Texten vorkommt (lt. Institut für Deutsche Sprache) und die Farbe ist ins Verhältnis der Beliebtheit gesetzt (Lt. Allensbach ist Blau mit 40% immer noch die Lieblingsfarbe aller Deutschen). Alle Wabengrafiken in einem Bild zusammen ergeben demnach den Namen des/der SpeakerIn. Sie finden sich auf einem persönlichen Poster wieder und alle Poster zusammen werden an einer Wand des Clubs platziert. Die Grafiken sind künstlerisch an die sogenannte Op-Art der 1960er Jahre angelehnt (https://de.wikipedia.org/wiki/Op-Art).

7000seeds – ein partizipatives Kunstprojekt auf der Aktionsfläche

7000seeds ist eine Soziale Plastik. Ja, ich weiß, das ist an dieser Stelle unverständlich. Um den Rahmen hier nicht zu sprengen, daher nur die wichtigsten Infos dazu: 7000seeds soll helfen, das Klima zu verbessern, urbane Räume weniger schadstoffbelastet und die Biodiversität zu fördern überall dort, wo sie heute fehlt. Es kommt auf jeden Schritt an, den wir alle in diese Richtung gehen. Dies kann privat sein, aber größere Stellschrauben haben Unternehmen. Mit 7000seeds setzen sie ein eigenes Corporate Gardening Projekt um – nicht als die typische Baumpflanzaktion, sondern partizipativ mit allen Entscheidungs- und Planungsinstrumenten neuer Arbeitswelten – egal ob lean, agil oder selbstorganisiert. Unser Ziel ist es, damit langfristig in ein kollaboratives Peer-Learning zu kommen – zu ökologischem Wissen wie auch zu digitalem und agilen Wissen. Und mit dem sich Komplizenschaften bilden. 7000seeds referiert auf das größte Kunstprojekt, das Joseph Beuys von 1982 bis zu seinem Tod 1986 realisierte – 7000 Eichen „Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“. Die Stadt Kassel profitiert bis heute von seiner Aktion.

Auf der Aktionsfläche 7000seeds sind wir gemeinsam mit den anderen Akteuren ebenfalls Kooperationspartner – für die Zeit der Veranstaltung als auch darüber hinaus. Denn unser aller Ziel ist es, anderen Unternehmen gute Impulse für ihr eigenes Handeln zu Nachhaltigkeit und Klimaschutz zu geben.

Workshopräume im Club

Die Workshopbereiche im Club sind mit Namen versehen. Aus unserer Erfahrung macht es einen Unterschied, ob man in einem Workshop sitzt, dessen Raum kontextlos hingenommen wird oder ob der Raum mit einem gewissen „Rahmen“ versehen ist. Drei dieser Bereiche haben wir gestaltet und unter das Thema „Kooperation“ gefasst. Beispielhaft dafür suchten wir Gruppen von Menschen aus, bei denen Kooperation (und auch Komplizenschaft) zwingend notwendig für deren Erfolg bzw. deren Wirkung war:

      • Weiße Rose: Kooperation Zivilcourage; studentische Gruppe um die Geschwister Scholl gegen den Nationalsozialismus im 2. Weltkrieg
      • Malweiber: Kooperation Avantgarde; Künstlerinnen, die ihr Handwerk in Künstlerkolonien und Privatstunden lernten, weil ihnen das Kunststudium als Frauen verwehrt blieb. Sie zählen heute zu den Pionierinnen ihres Fachs und waren Wegbereiterinnen für andere Frauen.
      • Verbrechertisch: Kooperation Revolution; am Leipziger Verbrechertisch trafen sich verurteilte Revolutionäre und Sozialreformer, die die Märzrevolution 1848 überlebt hatten. Sie trugen die Ideen einer demokratischen Gesellschaft weiter, ebenso wie weitere Sozialreformen.

Filzanzüge?

Last but not least: Die LATC feiert 5-jähriges Jubiläum. In jedem dieser Jahre trug Ralf Volkmer einen anderen Anzug. Ralf hat sich im Kunstmuseum von der Beuys-Installation „Filzanzug“ inspirieren lassen und wird Euch alle Anzüge aufgereiht präsentieren – eine Kunst-Installation sozusagen. Jeder Anzug steht symbolisch für ein LATC-Jahr. Was das mit Beuys zu tun hat? Nun, Filz ist eines der zentralen Materialien, die Beuys in seiner Kunst verwendete. Er nutzte Filz als Symbol für Wärme. Diese Wärme ist für ihn ein Katalysator für Kreativität. Kreativität wiederum ist für Beuys die Voraussetzung für die gesellschaftlichen und geistigen Entwicklungsprozesse des Menschen. Übertragen auf Ralfs Anzüge, die zwar nicht aus Filz sind, aber durch das Tragen Wärme gespeichert haben, bedeutet dies, dass sie ebenfalls ein Kreativitätskatalysator sind – für alles, was bei der LATC an Ideen entsteht, die die Welt ein bisschen leaner machen. Ok, die Herleitung ist konstruiert, könnte aber doch sein, oder? 😉

Wir freuen uns auf Euch!

Viele Grüße
Daniela

 

Bildquelle: Kultur-Komplizen