Seite wählen

Irgendwo in meiner „New Work“-Filterblase tauchte vor einiger Zeit ein Event auf, der schon deshalb Neugier in mir aufkommen ließ, weil sich einige mir bekannte Protagonist*innen aus dem Umfeld eben dieser Blase dort angemeldet hatten. Brav der Herde folgend, schaute ich mir die Beschreibung der Veranstaltung an und stieß damit auf das Treffen der Usergroup Liberating Structures Stuttgart. „Aha, wieder ein Methodenkoffer“, war mein erster Gedanke. „Brauche ich das?“, mein zweiter. „An sich nein“, lautete meine Antwort. Aber die Veranstaltung fand in unmittelbarer Nähe unseres Komplizen-Quartiers statt und ich dachte mir, dass es in diesem Fall nicht schaden würde, den ein oder anderen Kontakt aufzufrischen und eventuell neue Komplizenschaften anzubahnen. Und ich bin nun mal auch ein sehr neugieriger Mensch. Weiter beschäftigte ich mich erstmal nicht damit. Eines Tages poppte der Termin im Kalender hoch und ich machte mich am frühen Abend – frei von Erwartungen – zusammen mit Daniela auf zum Stuttgarter Fasanenhof.

Die Veranstaltung war die erste ihrer Art in Stuttgart und fand beim Softwareunternehmen Iteratec statt. Das Event war ausgebucht und es tat gut, viele neue Menschen zu sehen, denn das heißt doch, dass die „Filterblase“, die sich mit der Zukunft der Arbeit beschäftigt, immer größer wird, oder? Nach dem Zusammenkommen bei vegetarischer und fleischhaltiger Grillwurst gab es eine kurze Vorstellung der Moderator*innen und des Grundgedankens von „Liberating Structures“. Dazu möchte ich kurz die deutschsprachige Website zitieren:

„Machst Du einen besseren Job, wenn du dich einbezogen und beteiligt fühlst? Glaubst du, dass viel bessere Ergebnisse erzielt werden, wenn Menschen in Teams gut zusammenarbeiten? Hast du bemerkt, dass die besten Ideen oft aus unerwarteten Quellen kommen? Möchtest du deine Intelligenz komplett ausschöpfen und auch anderen diese Gelegenheit geben?

Wenn Du diese Fragen mit JA beantwortest: Auch wir haben herausgefunden, dass die Menschen sich so organisieren und zusammenarbeiten wollen. UND: Wir glauben, dass Liberating Structures dabei helfen, das zu ermöglichen.

Liberating Structures sind (aktuell) 33 Mikrostrukturen, die von Keith McCandless und Henri Lipmanowicz zusammengetragen wurden.“

 

Praxistest bestanden

„Soweit so gut“, dachte ich mir und war erfreut, dass es gleich in die praktische Umsetzung ging. Das Moderator*innen-Team hatte sich ein Fokusthema ausgedacht und mehrere der oben genannten Mikrostrukturen zu einem sogenannten String zusammengesetzt. Nacheinander durchliefen wir in wechselnden Gruppen, die verschiedenen Tools, um herauszufinden, wie es möglich sei, Meetings besser zu gestalten. Und das funktionierte wirklich gut. Ok, das Thema war nicht allzu schwierig, aber, was rund 40 Menschen in zirka 2 Stunden daraus machten und – wie ich glaube – dabei lernten, war durchaus beeindruckend. Die einzelnen Strukturen und die aufeinander aufbauende Zusammensetzung als String hat wirklich gut funktioniert. Der Abend führte für viele zu einem Aha-Erlebnis, was alles in so einer mittelgroßen Gruppe gemeinsam erarbeitet werden kann und wie die Einzelaspkte zu einem klaren Ergebnis geführt werden können. Denn am Ende standen 10 ganz konkrete Maßnahmen, was getan werden könnte, um Meetings besser zu machen.

Liberating Structures – ein interessanter Methodenkoffer

Mir gefielen an diesem Abend die einzelnen Methoden und die flexible, modulare Zusammensetzung der „Liberating Structures“. Ich halte sie für einen interessanten Methodenkoffer, um Menschen, an kooperatives Arbeiten heranzuführen und später damit weiter zu arbeiten. Insbesondere scheint mir der Methodenmix für kleinteilige Arbeitskontexte, wie wir sie in Großunternehmen/Konzernen sehen und/oder in Unternehmen mit klassischen Hierarchieebenen geeignet. Aber wie das bei Methoden immer so ist: „A Fool with a Tool, is still a Fool“. Wenn darüber hinausgehend nicht an den Grundlagen der zwischenmenschlichen Beziehungen und den Rahmenbedingungen für eine partizipative Zusammenarbeit gearbeitet wird, verläuft das Ganze im Sande.

Ich freue mich schon auf die nächste Veranstaltung, um noch mehr über die „Liberating Structures“ und über die Erfahrungen beim Einsatz in der Praxis zu erfahren. Mal sehen, vielleicht ergänzen die „Liberating Structures“ auch bald den Methodenkoffer der Kultur-Komplizen.

Gehabt Euch wohl!
Stefan

 

Quelle: https://www.liberatingstructures.de/
Bildquelle: Pixabay, CC-0 Lizenz gemeinfrei, bearbeitet